Erkennung einer Krise beim Kunden

1. Grundsätzliches

Der plötzliche Ausfall von Forderungen oder die generell schlechte Zahlungsmoral von Kunden wirken direkt auf die Liquidität eines Unternehmens ein und führen oft zum Tatbestand der Zahlungsunfähigkeit und somit zu einem Insolvenzverfahren. Es ist daher ratsam, bereits im Vorfeld, d.h. bei Aufnahme oder während einer laufenden Geschäftsbeziehung bestimmte Warnzeichen zu beachten und Vorsichtsma�nahmen zu ergreifen, um dieses Risiko zu minimieren. Wenngleich die Insolvenz eines Kunden mit besonders negativen Folgen behaftet ist, so ist doch das Problem auch bei anderen Marktpartnern gegeben, z.B. Lieferanten, Kooperationspartner usw. Es wird daher nur vereinfachend vom Kunden gesprochen.

2. Warnzeichen für Liquiditätskrisen

Im folgenden werden einige Beispiele für Warnzeichen angeführt, die auf eine Krisensituation hindeuten können, aber nicht müssen. Dies kann nur im Einzelfall und in der Gesamtsicht des betreffenden Unternehmens und seines Umfeldes beurteilt werden.

2.1. Verhalten in den Geschäftsbeziehungen

Warnzeichen

mögliche Bedeutung

ungerechtfertigte Reklamationen

Versuch, das Zahlungsziel zu verlängern

Bestellung nur noch kleiner Mengen

mangelnde Liquidität

Bestellung besonders groÃ?er Mengen

andere Lieferanten liefern nicht mehr

kurzfristige Stornierung von Aufträgen

mangelnde Liquidität

auffallende Personalwechsel in der Geschäftsführung oder bei den leitenden Angestellten

Krisenmanagement

Wechsel des Unternehmenssitzes

das Einholen von Informationen soll erschwert werden

Wechsel der Gesellschafter

Uneinigkeit in der Führung

Wechsel der Bankverbindung ohne Firmensitzverlegung

Probleme mit der bisherigen Bank

Wechsel der Rechtsform zur GmbH oder GmbH & Co. KG

Versuch der Haftungsbeschränkung

Ã?nderungen in den Zahlungsgewohnheiten:

- volle Ausnutzung oder Ã?berschreitung des Zahlungsziels

- keine Inanspruchnahme von Skonti

- Zahlung mit Wechsel statt mit Scheck

- Zahlungsverzögerungen

- Scheck-/Wechselproteste

- Schecks werden vordatiert

Liquiditätsprobleme

hohe Preisnachlässe und Rabatte

Versuch der Umsatzsteigerung zur Liquiditätssicherung

aggressive Marktstrategien und Werbung

Versuch der Umsatzsteigerung zur Liquiditätssicherung

 

 

2.2. Auffälligkeiten im Jahresabschlu�

Liegen Jahresabschlüsse des Kunden vor, so kommen z.B. folgende Warnsignale hinzu, die vor allem aus dem Vergleich mehrerer aufeinanderfolgender Abschlüsse abzuleiten sind:

  • Verschiebungen des Bilanzierungszeitpunkts
  • Ã?nderung von Abschreibungsmethoden
  • Verringerung von Investitionen
  • steigende Vorräte ohne Erhöhung der AuÃ?enstände
  • Eigenkapitalmangel
  • Eigenkapitalaufzehrung durch Verluste
  • mangelnde Fristenkongruenz der Finanzierung
  • Auflösung von Reserven
  • Umsatzrückgang

3. Möglichkeiten der Risikobeschränkung

Um sich gegen die negativen Folgen der Insolvenz eines Geschäftspartners abzusichern, kann eine Reihe von Vorsichtsma�nahmen getroffen werden, z.B.:

  • Bonitätsprüfung vor gröÃ?eren Vertragsabschlüssen oder Anbahnung neuer Geschäftsbeziehungen durch Einholen von Informationen aus geeigneten Quellen, z.B.
    • Handelsregister
    • Schuldnerverzeichnis des Amtsgerichts (Eintrag von eidesstattlichen Versicherungen)
    • Grundbuch
    • Bankauskünfte über die eigene Hausbank
    • Bilanzen, sofern veröffentlicht
  • Lieferung gegen Vorkasse oder Lastschriftverfahren oder Einzugsermächtigung
  • Vereinbarung von kurzen Zahlungsfristen
  • Vereinbarung von Abschlagszahlungen / Anzahlungen
  • Forderungsversicherung
  • Eigentumsvorbehalt
  • Sicherungsübereignung
  • Bürgschaften

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