Verfahren zur Früherkennung
1. Grundsätzliches
Je früher man eine sich abzeichnende Krise erkennt, desto mehr Zeit hat die Geschäftsführung, geeignete Ma�nahmen zu ergreifen, um die Krise abzuwenden oder ihre Folgen abzumildern. Viele Ma�nahmen erfordern eine gewisse Vorbereitungszeit (z.B. Kapitalerhöhungen) und stehen daher nur zur Verfügung, wenn noch kein akuter Zeitdruck eingetreten ist. Es ist daher das Bestreben jedes Unternehmens, Krisengefahren möglichst früh zu erkennen, um sich die maximalen Handlungsspielräume offen zu halten. Zu diesem Zweck wurden in der Betriebswirtschaftslehre die sogenannten Frühwarnsysteme entwickelt, die dieses Ziel erreichen helfen sollen.
2. Operative Frühwarnsysteme
Operative Frühwarnsysteme basieren auf Bilanzdaten und anderen Informationen des betrieblichen Rechnungswesens. Da das Rechnungswesen immer vergangenheitsbezogen ist, sind sie nur zur Erkennung latenter Krisen geeignet, die sich bereits in den Zahlenwerken niederschlagen. Potentielle Krisen werden durch sie nicht erfa�t, zu ihrer Erkennung sind andere Methoden erforderlich (z.B. Szenarien). Akute Krisen sind bereits deutlich erkennbar und zwingen zum schnellen Handeln, sie erfordern keine Frühwarnung mehr.
2.1. Kennzahlen und Kennzahlensysteme
Es wird entweder eine einzelne Kennzahl (z.B. der Cash Flow) oder mehrere Kennzahlen zur Beurteilung eines Unternehmens herangezogen. Es kann die Entwicklung im Zeitablauf betrachtet oder der Vergleich mit anderen Unternehmen etwa der gleichen Branche durchgeführt werden.
Ein Nachteil ist neben der Vergangenheitsbezogenheit und der mangelnden strategischen Orientierung auch die Willkürlichkeit der Auswahl und Definition der Kennzahlen. So gibt es z.B. eine Vielzahl von Varianten des Cash-Flow.
2.2. Diskriminanzanalyse
Bei diesem Verfahren werden insolvente und gesunde Unternehmen im Hinblick auf eine Reihe von verschiedenen Bilanzkennzahlen hin untersucht. Man erhält dann die Information, welche der Kennzahlen sich bei den insolventen und den gesunden Unternehmen am deutlichsten unterscheidet und kann diese für die Beurteilung der Insolvenzgefährdung eines einzelnen Unternehmens heranziehen. Die bei den Kennzahlen angeführten Kritikpunkte gelten auch hier.
3. Strategische Frühwarnsysteme
Um die Mängel der operativen Frühwarnsysteme zu vermeiden, wurden die strategisch ausgerichteten Systeme entwickelt. Diese sollen auf die Zukunft gerichtet sein und neben den "harten" Informationen aus den Zahlen auch schwächere Warnzeichen berücksichtigen, die längerfristig eine Bedrohung darstellen könnten.
4. Frühaufklärungssysteme
Während sich die Frühwarnung nur auf das frühzeitige Erkennen negativer Entwicklungen bezieht, ist der Begriff der Frühaufklärung weiter gefa�t und umfa�t auch das Erkennen von Chancen, die geeignet sind, das langfristige Entwicklungspotential des Unternehmens zu sichern. Der Begriff Früherkennung wird nicht einheitlich verwendet, er wird sowohl im Sinne von Frühwarnung als auch im Sinne von Frühaufklärung gebraucht.