Alleinerziehende
Als Alleinerziehende bezeichnet man Elternteile, die minderjährige, d. h. unter 18 Jahre alte Kinder alleine betreuen und erziehen. Es handelt sich dabei um Mütter oder Väter, die ledig, verwitwet, dauernd getrennt lebend oder geschieden sind und nicht mit einem anderen Erwachsenen, jedoch mit ihrem Kind bzw. ihren Kindern in ständiger Haushaltsgemeinschaft zusammenleben (sog. Einelternfamilie). Das Kind hat dabei nur eine unmittelbare Bezugsperson, den mit ihm zusammenlebenden Elternteil; mit dem anderen Elternteil (sofern dieser noch lebt und jemals eine Beziehung zu dem Kind aufgebaut hat), gibt es oft nur sporadische Besuchskontakte. Diese können im Streitfall durch das Familiengericht geklärt werden.
Auch wenn beide Elternteile das Sorgerecht (elterliche Sorge) im juristischen Sinne innehaben (nicht jedoch das Aufenthaltsbestimmungsrecht), was seit dem 1. Juli 1998 in der Bundesrepublik auch nach einer Scheidung der Normalfall ist, lebt das Kind doch im Regelfall bei einem Elternteil, der somit de facto die wesentliche oder einzige Erziehungsfunktion ausübt.
Alleinerziehende haben, sofern der andere Elternteil seiner Unterhaltspflicht nicht oder nur unregelmäßig nachkommt, für Kinder unter zwölf Jahren Anspruch auf Unterhaltsvorschuss. Die steuerliche Situation Alleinerziehender (Steuerklasse 2) ist seit einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes ungünstiger geworden.
„Unechte“ Alleinerziehende sind Elternteile, in deren Haushalt noch andere volljährige Personen leben (z. B. Großeltern des Kindes; nicht verheiratete Lebenspartner usw.). Hier hat zwar nur der Elternteil das juristische Sorgerecht und damit die Erziehungsverpflichtung, die anderen Personen einer solchen Mehrgenerationen- oder Stieffamilie beteiligen sich aber in der Regel an den tatsächlichen Erziehungsmaßnahmen.
Alleinerziehende leben häufiger als verheiratete Eltern unter der Armutsgrenze, da das Einkommen des Partners fehlt. Etwa 91 % der Alleinerziehenden waren im Jahr 2003 Frauen.
Sieben Prozent aller Deutschen leben in einer "Zwei-Personen-Familie", in der Elternteil und Kind den Alltag miteinander meistern.
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[Bearbeiten] Gesundheit alleinerziehender Mütter und Väter
| Belastungen alleinerziehender und verheirateter Mütter | ||
|---|---|---|
| Belastungen/Beunruhigungen | alleinerziehende Mütter | verheiratete Mütter |
| Unsicherheit wie eigene Zukunft weitergeht | 48,8 % | 26,4 % |
| finanzielle Probleme | 47,7 % | 18,7 % |
| Erziehung und Ausbildung der Kinder | 34,5 % | 27,1 % |
| zu viele Aufgaben in der Familie | 23,8 % | 13,0 % |
| Anforderungen nicht mehr gewachsen sein | 22,7 % | 11,4 % |
| nicht genug Erfolg | 20,3 % | 7,5 % |
| fehlende Harmonie in der Familie | 17,9 % | 4,1 % |
| Probleme mit der Wohnsituation | 16,6 % | 6,2 % |
| Gefühl, überflüssig zu sein | 15,5 % | 8,9 % |
| Robert Koch Institut / Statistisches Bundesamt: Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 14: Gesundheit alleinerziehender Mütter und Väter [2] | ||
Alleinerziehende, die mit mindestens einem minderjährigen Kind, aber ohne Partner bzw. Partnerin zusammenleben, gelten als belastet. Alleinerziehende Mütter sind nicht nur durch finanzielle Probleme, sondern auch durch Zukunftsängste, Anzeichen von Überforderung und durch ein geringes Selbstwertgefühl stärker belastet als verheiratete Mütter (siehe nebenstehende Tabelle des Robert Koch Instituts).
Alleinerziehende Mütter litten bzw. leiden deutlich häufiger unter
- Nieren- und Lebererkrankungen,
- chronischer Bronchitis und
- Migräne.
Besonders auffällig ist, dass sie mit 24,7% mehr als doppelt so häufig psychische Erkrankungen angeben wie die verheirateten Mütter. Zudem leiden sie häufiger und stärker unter Schmerzen als verheiratete Mütter, wodurch sie sich auch häufiger in der Bewältigung des Alltagslebens schwerer beeinträchtigt fühlen. Vor allem in der unteren Sozialschicht fühlen sich alleinerziehende Mütter durch Schmerzen und emotionale Probleme stärker beeinträchtigt als die verheirateten Mütter. Das Robert Koch Institut geht davon aus, dass sich "hier die negativen Effekte des Alleinerziehens auf Einzelaspekte der gesundheitsbezogenen Lebensqualität durch die Zugehörigkeit zur unteren Sozialschicht noch verstärk[en]."[1]
Alleinerziehende und verheiratete Mütter nehmen ungefähr gleichhäufig Arzttermine und Kuren in Anspruch. Allerdings nehmen alleinerziehende Mütter seltener Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch als verheiratete. Die Arzttermine werden auch aufgrund akuter Beschwerden denn aufgrund von Beratung in Anspruch genommen.
Entsprechende Unterschiede in der Gesundheit wie sie zwischen alleinerziehenden und verheirateten Müttern vorliegen, lassen sich nicht zwischen alleinerziehenden und verheirateten Männern finden.
[Bearbeiten] Siehe auch
- Alleinerziehendenentlastungsbetrag
- Schlüsselkind
- Schweizerischer Verband alleinerziehender Mütter und Väter
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Robert Koch Institut / Statistisches Bundesamt: Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 14: Gesundheit alleinerziehender Mütter und Väter [1]
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